Ach,  QR Codes haben es zur Zeit nicht leicht. Da gibt es momentan einen sehr beliebten Tumblr Blog, in dem unglaublich miese Beispiele für den Gebrauch von QR Codes kuratiert und geteilt werden. Und als sei dies noch nicht genug des virtuellen Todesstoßes, da wird auch noch zur gleichen Zeit ein Link zu einer Tumblr Seite “Pictures of People Scanning QR Codes” um die Welt geschickt. Jene Seite hat noch keinen Post. Sie wird auch nie einen haben.
Eine sehr charmante Tumblr Idee und eine subtile QR Code Kritik, die oft geteilt wurde. Wie man hieran sieht: Pix of People Tweeting About Pix of People Scanning QR Codes

QR Codes erleben zur Zeit jedenfalls schlechte Presse.
Es scheint so, dass jedes Mal, wenn in einer Agentur das Wort “QR Code” in den Mund genommen wird, die Anwesenden in schallendendes Gelächter ausbrechen, um gleich im Anschluss wissend mit dem Kopf zu schütteln. (Im übrigen stelle ich mir genau die gleiche Reaktion vor, wenn im Silicon Valley jemand die App “Color” erwähnt.)

Ich möchte jedenfalls einmal eine Auszeit von diesem kollektivem Gelächter nehmen und hier mal eine klitzkleine Lanze für den QR Code (und auch QR Code- ähnliches) brechen.

Sicherlich sind viele QR Code-Anwendungen idiotisch und machen wohl wenig Sinn – inhaltlich und platzierungstechnisch.  Aber dennoch gab es und gibt es Beispiele, die zeigen, dass QR Codes einen Mehrwert darstellen können. Solche Mehrwerte sollte man nun nicht primär in ergänzenden Inhalten (Text, Bild, Video) suchen, sondern verstärkt darin  “etwas einfacher zu machen” – in Komfort und Einfachheit.

Drei Beispiele mit Mehrwert:

1. QR Codes, die in den Android Market/ App Store verlinken. Es ist einfacher und schneller, sich die Inhalte (Apps, Musik, Bücher) über das Scannen des Codes herunterzuladen.
2. QR Code auf Verpackung – Einfacher Zugang zu einem kurzen Anleitungsvideo. Beispiel Dekantierkaraffe von Menu: Hier erscheint dieses Video, sobald man den QR Code auf der Verpackung scannt. Im Praxistest war die beschenkte Person nach Sichtung des Videos gleich noch begeisterter von der neuen Weinkaraffe: QR Codes begeistern.
3. Im technikverliebten Korea lässt Tesco über das Scannen von QR Codes, Lebensmittel in den Warenkorb legen und. Einfach und schnell. Hier das Video.

Wichtig ist hierbei immer: Man muss das Verhältnis zwischen Aufwand und Belohnung beachten.
Wenn man sein Handy rauskramen soll, um dann via QR Code nur auf eine – womöglich nicht mal mobil optimierte – Microsite geführt zu werden, dann wird dieser Mehraufwand für den User einfach nicht belohnt. Mit der Folge: Die User werden sich schnell an QR Codes sattsehen – mögen die Kampagnen noch so kreativ sein.

Ein weiteres Argument, welches man immer wieder hört, ist die mangelnde Verbreitung der QR Code-Reader – vorallem beim iPhone. So wird dann der notwendige Download einer Reader-App immer wieder als eine Hürde in der Kommunikation dargestellt.

Dieser Argumentation möchte ich nur Folgendes entgegensetzen:

  • Barcoo  – ein Barcode- und QR Code-Reader – ist eine der meistgeladenen iOS Apps und findet sich sogar in der Apple Werbung wieder. Und: Unter den Top 50 Apps aus der Kategorie “Dienstleistungen” sind weitere vier reine QR Code-Reader. Ein “Niemand hat die Reader installiert” schaut dann wohl anders aus.
  • Die Hürde eine neue App zu laden, gibt es meines Erachtens nicht mehr wirklich: Jeder Smartphone Nutzer ist es gewohnt, am laufenden Band Apps zu laden und sie kurz darauf auch wieder zu löschen. Das Laden von kostenlosen Apps ist somit auch kein großer Deal und wird immer mehr zu einer Beiläufigkeit. Also keine Hürde, wenn überhaupt, dann nur ein Hürdchen.
  • Vielleicht liegt in dem QR Code-Reader-Kuddelmuddel auch eine Chance. Eine Chance in Marken-eigenen Apps, die eine simple und bequeme Codescan-Erfahrung schaffen (Beispiel Tesco Homeplus App).

Also: Ich möchte einfach, dass “gelassener” mit dem QR Code umgegangen wird. Nicht überall muss ein QR Code drauf, aber manchmal macht eine Integration auch Sinn. Hier muss man als Agentur klar und ehrlich beraten. Nur weil einige Anwendungsbeispiele unüberlegt und idiotisch sind, sollte man nicht an den Möglichkeiten der QR Codes zweifeln. Es würde auch niemand auf die Idee kommen, Zeitungsanzeigen die Sinnhaftigkeit abzusprechen, nur weil mal eine Anzeige komplett falsch platziert wurde.

Eins muss uns aber heute schon klar sein: QR Codes sind eine Brückentechnologie – im wahrsten Sinne des Wortes.
Zum einen schlagen sie die Brücke zwischen der gedruckten und der digitalen Welt. Zum anderen wird aber gennau diese QR Code Funktionalität sicherlich bald von anderen Technologien abgelöst werden – Geo-Fencing, Image Recognition und was da sonst noch so alles kommen mag.

Und so werden wir in zehn Jahren beim Aufräumen alter Magazine auf einen QR Code stoßen und uns daran erinnern, wie das alles angefangen hat:
Mit hässlichen QR Codes und umständlichen QR Code Readern.
Und … mit QR Code behangenen Menschen in Morphsuits: