Konzepte digitaler Nachhaltigkeit entwickeln.

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Nachhaltigkeit. Ein Begriff, der ohne Weiteres das Zeug zum Wort des Jahres hat, so omnipräsent wie er in den letzten Jahren im Alltag und in den Medien war.

Dieses noch ungekrönte Potential des Wortes nehmen wir zum Anlass jenen Begriff für das Jahr 2011 vorzuwürdigen [sic!], indem wir drei Konzepte einer digitalen Nachhaltigkeit beleuchten:

  1. Digitale Nachhaltigkeit als Beziehungsmodell
  2. Digitale Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell
  3. Digitale Nachhaltigkeit als soziale Verantwortung

Eines Vorweg: Die Definitionen von Nachhaltigkeit sind vielfältig und somit der Gebrauch dieses Wortes ebenfalls. In diesem Papier wird für jedes der drei Konzepte der Begriff von neuem eingeordnet werden. Nachhaltigkeit dient im diesem Falle wunderbar als eine Wortklammer für wichtige Ideen in der heutigen Zeit.

1. Digitale Nachhaltigkeit als Beziehungsmodell

Im Kontext des Beziehungsmodells begegnen wir zum ersten Mal einem Wort, welches noch öfters fallen wird und welches zur Nachhaltigkeit gehört wie Kreativität zur Werbung: Langfristigkeit.

Nachhaltigkeit heißt, in allem was man unternimmt, den Blick auf das zu wenden, was folgt. Oder wie ein wohl kluger Mann (Eric Schweitzer) einst sprach – und es damit bei der Google-Suche zu „Nachhaltigkeitszitat“ auch auf Position eins der Trefferliste schaffte: „[Man solle], bei allem was man tut, das Ende bedenken“.

Handlungen zu durchdenken und langfristige Beziehungen zu schaffen, ist auch die Quintessenz digitaler Nachhaltigkeit für Unternehmen.

So bezieht sich Nachhaltigkeit darauf, mit authentischen, ehrlichen, offenen Aktionen Vertrauen aufzubauen und das Fundament für langfristigen, wertvollen Austausch mit den Anspruchsgruppen zu legen.

Warum ist dies so wichtig? Im digitalen Raum sind Beziehungen schnell gemacht. Man folgt Unternehmen auf Twitter oder man verfolgt über ein simples „Gefällt mir“ Marken oder Unternehmen auf Facebook. Alles ist nur einen Klick entfernt. Und da dies so einfach ist, kann man auch genauso schnell wieder entfolgen. Keiner muss sich hierbei erklären und fühlt sich zu etwas verpflichtet. Die Beziehungen geraten im digitalen Berg der Kontaktpunkte schnell in Vergessenheit bzw. werden ausgeblendet.

Die einfache Technik und der Überfluss an Möglichkeiten fördert somit eher eine Kurzfristigkeit und Oberflächlichkeit von Beziehungen in der heutigen Zeit.

Das nachhaltige Beziehungsmodell legt keinen Wert auf die Quantität an Beziehungen, sondern auf die Qualität: 1000 aktive Nutzer der Facebook-Seite eines Unternehmens sind wertvoller als 5000 inaktive.

Diese Qualität kann man erreichen, in dem man seine Zielgruppe an seiner Marke und dem Markenerlebnis teilhaben lässt (Stichwort: Crowd Sourcing) und in dem man service-orientiert und transparent handelt um dauerhaftes Vertrauen aufzubauen.

2. Digitale Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell

Es ist wohl niemandem verborgen geblieben, dass in den letzten Jahren ein großer Markt für nachhaltige Produkte und einen nachhaltigen Lebenstil entstanden ist.

So spielen bei vielen Konsumenten der Umgang mit den Ressourcen, die Langlebigkeit der Produkte, eine absolute Qualität und ökologische Materialien eine – oder gar die – kaufentscheidende Rolle.

In den letzten Jahren ist jedoch auch zu erkennen, dass sich das Verhalten dahingehend verändert hat, dass der Eigentums- und Neuheitswert bei vielen Konsumentscheidungen in den Hintergrund gerät.

Im Zuge des technologischen Wandels und der Möglichkeiten einer problemlosen Vernetzung haben sich so neue interessante Geschäftsmodelle etabliert:

Nicht mehr das Haben, sondern das Nutzen steht im Vordergrund. Teilen ist hier das große Stichwort.

So entstanden in den letzten Jahren viele Carsharing-Anbieter, die es in Großstädten ermöglichen, stundenweise ein Auto zu mieten. Dienstleister wie airbnb.com oder couchsurfing.org bieten einen Marktplatz für Unterkünfte auf Zeit von privat an privat. Seiten wie rebuy.de erleichtern den Handel von gebrauchter Ware und das StartUp thredUp hat sich auf den Tausch gebrauchter Kinderkleidung spezialisiert.

Um nur einige zu nennen.

Erst das Internet und die soziale Vernetzung haben den einfachen und befristeten Zugriff auf Güter ermöglicht, den man früher nur mit Eigentumserwerb erhalten hätte. So teilen sich nun viele Menschen ein Gut und unterstützen so einen nachhaltigen Konsumgedanken. Dieser Trend wird anhalten.

4. Digitale Nachhaltigkeit als soziale und ökologische Verantwortung

Nachhaltigkeit im Sinne von ökologisch bewusst, sowie ressourcenschonend arbeiten und produzieren liegt im Trend und ist fast auch schon „Standard“. Es gibt kaum ein Unternehmen, welches sich den Umweltschutz und die Nachhaltigkeit nicht auf seine Fahne geschrieben hat.

Doch unternehmerisches Umweltengagement gilt es auch zu kommunizieren. Getreu dem Motto:
Tue Gutes und sprich darüber.

Ein schönes Beispiel für eine gelungene Kommunikation ist die Website von kia.de.

Nach drei Minuten Inaktivität auf der Website (vielleicht auch weil man die Seite in einem Tab geöffnet hält) blendet sich ein schwarzer Bildschirmhintergrund mit den Worten ein:

„Wussten Sie, dass ein schwarzer Bildschirmhintergund im Gegensatz zu einem weißen bis zu 20% Energie sparen kann? Da Sie mehr als 3 Minuten nicht aktiv gewesen sind auf Kia.de, waren wir so frei etwas Energie für Sie zu sparen.“

Im Folgenden geht Kia dann auf sein Engagement und seine nachhaltige technologischen Entwicklungen ein.

Dieser Engergiesparmodus ist sozusagen ein nachhaltiges Easter Egg auf der Seite. Eines mit Aha-Effekt, denn es kommuniziert die umwelttechnischen Ziele des Unternehmens auf eine schöne und simple Art.

5. Fazit

Nachhaltigkeit ist ein großer Begriff. Unter seinem Mantel finden viele Themen Platz, die in Zukunft wichtig werden oder es auch schon sind. Allein hierfür kann und sollte man die Gesellschaft für deutsche Sprache auffordern, Nachhaltigkeit mit dem Titel Wort des Jahres zu ehren. Oder auch Wort des Jahrzehnts. Alles andere wäre dann vielleicht auch wieder nicht nachhaltig genug.